BEHIND THE LASHES - Aus dem Leben einer Drag Queen

Es war mein zweites Auftreten als Sindy Sinful in Innsbruck. Tagelang habe ich an meinem Outfit gebastelt und genäht. Zu diesem Zeitpunkt war es mir noch peinlich, Frauenkalmotten in einem Geschäft zu kaufen. Mittlerweile finde ich diess ogar recht amüsant. Vor allem, wenn du eine Verkäuferin nach einem Glitzerfummel in deiner Größe fragst, es in der Umkleide anprobierst und stolz am Gang herumläufst während die Arme den Mund nicht mehr zu bekommt. Oder Mütter ihren Kindern die Augen zu halten und sich wegdrehen.

 

Wer auffallen will, muss polarisieren.

 

Warum ist es im 21. Jhd. immer noch nicht "normal" so zu sein wie man eben ist? Mir ist klar, dass Tirol ein (schein)heiliges Land ist, aber auch hier sollte der Fortschritt langsam Einzug halten.

 

Nichts desto trotz war ich damals sehr nervös. Ich traf mich mit Vanessa vor einem gut besuchten Lokal. Der Schritt in den Laden war riesig für mich. Buchstäblich. Denn ich hatte mir online Plateaustiefel aus Lack bestellt, die ich ausführen musste. Natürlich übt man das zu Hause beim Staubsaugen, Fenster putzen oder nimmt in den Hacken sogar das Paket von DHL entgegen. Dennoch war es in freier Wildbahn etwas anderes. Zu allem Überfluss waren da auch noch diese 22 Stufen. Als wir oben angekommen sind (nach gefühlten 3 Stunden) war der Raum still und alle Augen auf uns gerichtet. Und deshlab mache ich das so gerne! 100% Aufmerkasmkeit. 

 

Wir tranken einen Gin Tonik und Sindy musste mal für kleine Drag Queens.

Ich also durchs Lokal, die Stufen hinunter und bei der letzten Treppe passierte es - KNACK! Ich bin umgeknackst und der Plateau war abgerochen. Heute muss ich selber darüber lachen, wie das wohl für die Leute ausgesehen haben muss wie ich den halben Stiefel auf die Toilette schleife. Fertig mit der Welt humpelte ich wieder rauf und setzte mich wieder. Dabei hatte der Abend erst angefangen! Gott war mir das peinlich! Mein zweiter Auftritt als Drag Queen Sindy Sinful aus Tirol und dann sowas.

 

Der Kellner war super süß - er fragte ob er was tun könnte. In meinem Verdruss sagte ich: "Klar, bring mal Tesafilm."  Was sich aber als gar keine schlechte Idee rausstellte! Ich benötigte zwar 37m von dem Scheiß, aber ich konnte weiterfeiern. 

Hoch erhobenen Hauptes schritt ich diese blöde Treppe runter und feierte noch bis in die Morgenstunden.

 

Seit dem weiß ich: Improvisation ist alles! Und Tesafilm. 

 

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